Sind Sie Dinosaurier und das Internet Ihr Komet? Überlebenstipps für 2011.

Hallo. Ich bin neu hier. Der Web4com-Blog war bisher eine Einmannshow. Nun wurde ich eingeladen, hier mitzuposten. Während beim Poster #1 das Wort Marketing auf der Visitenkarte steht, bin ich, Poster #2 ein PR-Mensch. Seit vielen Kommunikationskonzepten und Budgetplänen ein Berater in einer der erfolgreichsten Agenturen der Schweiz.

Als Berater berate ich Kunden. Beraten hat etwas mit Zukunft zu tun. Das passt zum Jahresende und Jahresanfang, wo die Propheten und Historiker zum Fernglas und Rückspiegel greifen. Auch ich möchte für meinem ersten Post, meine Glaskugel mit Microfasern-Lappen polieren und darüber schreiben, welche guten Vorsätze ich meinem Kunden auferlegen würde. Damit meine Kunden nicht die Dinosaurier sind, die durch den Internet-Komenten ausgerottet werden. Hier also ein paar Überlebenstipps.

1) Aufholen
Amerika und Asien sind der alten Welt ein paar Monate voraus. Was dort schon total normal ist (Social Media als Kundendienst) ist hier noch grossmehrheitlich Science Fiction. Hier müssen wir aufholen. Aufholen heisst aber nicht zwingend mitmachen. Selbst bei der Olympiade bekommen nicht alle Mitläufer ein Diplom und so ist es auch bei den Social Media: Nicht jeder der mitmacht hat automatisch Erfolg. Trotzdem ist es wichtig jetzt zu lernen wie’s funktioniert und Dienste auszuprobieren. Was genau es zu kapieren gibt, ist Thema dieses Blogs. Sie lesen diesen Post, befolgen diesen Vorsatz also bereits. Gratulation.

2) Ausmisten
Nicht alles was möglich ist, ist auch gut. So verlockend es ist auf jeden Zug aufzuspringen, lohnt es sich immer noch zuerst zu überlegen, wo man überhaupt hin will und ob der Zug auch wirklich da hin fährt. Natürlich darf man mächtig stolz darauf sein, jeden Service auf dieser hübschen Grafik zu kennen. Die vielen Farben sollen uns aber nicht blenden, denn nächstes Jahr werden Namen verschwinden und ergänzt werden. „Surviving of the fittest“ funktioniert auch auf dem Internet (Oder wann waren Sie das letzte Mal auf Ihrem friendster.com Konto? Und, haben Sie auch ein Plurk Konto?). Machen Sie also nicht bei jedem Mist mit, sondern nur beim Mist der auch tatsächlich Dünger für Ihre Kommunikation ist.

3) Aufpassen
3a) Im Sinne von „Vorsicht walten lassen“: WikiLeaks war nicht der Anfang vom Ende von Geheimnissen. Zuvor gab es bereits ähnliche Dienste, wenn auch mit weniger erfolgreicher Selbst-PR. Aber WikiLeaks wird Leute, Mitarbeitende, Kunden, Feinde, Konkurrenten dazu inspirieren, Unternehmen zu gläsernen Unternehmen zu machen. Mark Zuckerberg hatte gar nicht so unrecht, als er monierte, dass die Menschen heute ein anderes Verständnis von Privatssphäre haben: Der Mensch heute meint, dass er alles wissen darf und wissen will – über Personen und Unternehmen Es nützt also nichts, sich hinter „Kein Kommentar“ zu verstecken – wir im PR wissen schon lange, dass dies noch viel schlimmer sein kann als ein ehrlich gemeintes „Entschuldigung“ oder Information auf Augenhöhe. Damit man dem anderen noch in die Augen schauen kann, lohnt es sich aufzupassen was man als Unternehmen so treibt und aufzupassen, dass was man sagt und tut auch wirklich zusammenpasst und authentisch ist.

3b) Im Sinne von „aufmerksam zuhören“: Migipedia liefert Migros ständig und unverfälscht wertvolles Kundenfeedback. Der Kunde kann aber auch ausserhalb jeglicher Kontrolle und dennoch verknüpft mit der eigenen Webseite, z.B. per Marginize Kommentare über alles abgeben. Doch anstelle neue Rechtsanwälte zu engagieren, sollten Unternehmen besser aufmerksam zuhören was auf dem Internet diskutiert, reklamiert und jubiliert wird. Kritik kann auch eine Frühwarnfunktion einnehmen und zur Verbesserung beitragen. Und je ehrlicher das Unternehmen mit dieser Kritik umgeht, umso mehr werden es die Netizens dem Unternehmen danken. Online aber auch offline.

4) Anschliessen
Gehen Sie noch aufs Internet oder sind Sie auf dem Internet? Steckt in Ihrer Hosentasche ein Smartphone, mit dem Sie Ihr Leben zu einem grossen Life stream machen? Sind Sie am Netz angeschlossen? Heute ist das Internet nicht dort, sondern hier. Wir sind alle das Internet und deswegen wird  „social surfing“ das grosse Ding. Google wird durch Facebook angesägt, weil man lieber Empfehlungen von bekannten Freunden erhält als vom unbekannten Google-Algorhythmus. Wer das nicht kapiert, verliert den Anschluss und wird von einer neuen Welt ausgeschlossen.

5) Aussuchen
Spätestens heute sollte das Giesskannenprinzip nur noch im Hobbygarten angewendet werden. Das Internet wird je langer je personifizierter. Wer hier einfach eine Mottenbombe in den Äther wirft und hofft, dass die Kommunikation in jede kleinste Ritze dringt, ist kein guter Kammerjäger. Wir verwehren uns nur der Werbung mit Bannerblocker und Briefkastenkleber, weil uns die Mehrheit nicht interessiert. Es ist eine Binsenwahrheit in der Publizistik-Forschung, dass Mediennutzer vornehmlich das rezipieren, das ihre Meinung teilt. Der Mensch hat schon immer selektiert und die Medien auf die eigenen Interessen reduziert. Auf dem Internet hat er einfach noch umfassendere Möglichkeiten dazu. Diese Personifizierung (oder Aufsplittung, Diversifizierung) des Internets bietet aber auch die Möglichkeit, genau diejenigen zu erreichen, die man erreichen möchte. Sie haben ganz neue Möglichkeiten Ihr Publikum auszusuchen.

So, das wäre mein Eröffnungspost. Mit diesem Post soll Ihnen ein kurzer Einblick in die Interessenfelder und Gedankengänge meiner einer geben werden, damit Sie wissen woran Sie sind. Das nächste Mal gibt’s mehr Fleisch auf den Knochen. Versprochen. Doch heute wollen wir noch den Winterspeck wegfasten. Ich hoffe diese paar Gemüsestängel mit Dipp waren eine ansprechende Vorspeise und reicht als Überbrückung bis zum währschaften nächsten Menu-Post.

P.S. Ich halte mich dann auch etwas kürzer…

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