Google+, ein Erfahrungsbericht

„Google plus der Facebook killer“, „Google+ und hat schon 10 Mio. Mitglieder“, Google+ dies und das. Eines hat Google mit ihrem Plus sicher geschafft, nämlich die Aufmerksamkeit der Social Media Community auf sich zu ziehen. Auch meine Aufmerksamkeit. Ich wage mal zu sagen, dass ich in der Schweiz zu den „Early Adopters“ von Google plus gehöre. Doch was bringt Google+ eigentlich? Wieso soll man als nicht Social Media „Nerd“ dabei sein? Hier ein Erfahrungsbericht aus meinen ersten Wochen bei Google+.

Kreise, die die Welt bedeuten
Zentrales Element von Google+, das wissen wohl bald alle, sind die Kreise. Ihnen liegt die Idee oder besser die Erkenntnis zu grunde, dass wir nicht alle Personen, die wir kennen, als unsere Freunde bezeichnen würden. Entsprechend started jedes neue Google+ Mitglied mit den Kreisen „Freunde“, „Familie“, „Bekannte“ und „Nur Folgen“. Diesen Kreisen können beleibig viele weitere Kreise zugefügt werden, z.B. Kollegen, Reisebekanntschaften, etc.

Das tolle an den Kreisen ist, dass ich nicht alles, was ich poste auch automatisch mit jedem „Friend“ teilen muss (oder mühsam wie auf Facebook irgendwelche Gruppen erstellen muss). So könnte ich zum Beispiel mich über meinen Chef beklagen, und dies nur mit meinen Freunden teilen. Die Funktion dieser Kreise geht aber über die eigenen Posts hinaus. Wenn ich z.B. etwas kommentiere, habe ich auch die Wahl, einen oder mehrere Kreise auszuwählen, die mein Kommentar sehen können. Ebenso kann ich jeden Post einer anderen Person teilen (sozusagen ein Re-Tweet) und dort auch wieder die Kreise auswählen, die das sehen können.

Toll ist auch die Integration bisheriger Google Dienste in Google+. Personen, die Picasa verwenden, können jetzt ganz einfach festlegen, welche Kriese welche Foto-Alben sehen dürfen. Gut ist auch, dass dort das Teilen dann nicht mehr möglich ist. So wird verhindert dass ich als Freund die privaten Fotos eines Freundes mit meinen Freunden teilen kann.

Ein weiterer Vorteil der Kreise ist die Möglichkeit, Personen auch nur zu folgen, wie auf Twitter. Ich folge z.B. Peter Cashmore von Mashable, zusammen mit 131731 anderen. Ich sehe seine Posts, er aber meine nicht. Google+ kombiniert damit die zwei Welten von Facebook und Twitter in cleverer Art und Weise.

Das kleine Plus
Mit Google plus einher ging auch der kleine +1 Button, der es ermöglicht, einen Beitrag auf einer Webseite zu „Liken“ oder „Plussen“, wie man wohl korrekterweise sagen müsste. Alle +1, die man vergibt, werden im Profil unter dem Tab +1 aufgelistet. Interessanterweise können für die +1’s, die man vergibt, keine Kreise festgelegt werden. Es ist jedoch möglich, die Sichtbarkeit der eigenen +1 einzuschränken, bzw. diese nicht anzuzeigen. Die vergebenen +1 und die von Freunden sollen auch Einfluss auf die eigenen Suchresultate haben. Will ich z.B. nach Berlin in ein Hotel und suche „Berlin Hotel“ auf google, wird mir das von einem Freund vergebene +1 für ein Hotel in Berlin in den Suchresultaten angezeigt.

Der Google +1 Button scheint ein voller Erfolg zu sein, anscheinend werde der Button pro Tag 2.3 Milliarden mal geklickt.

(Un)übersichtlicher Stream
Alle Kommentare und Post, welche meine Freunde, Kollegen etc. öffentlich machen, und auch die, von welchen ich folge (z.B. Mashable), sehe ich in einem Stream aggregiert. Das ist eigentlich ganz gut. Jedoch ist Mashable sehr aktiv auf Google+, was dazu führt, dass seine Posts die anderen „verdrängen“. Was ich wirklich gar nicht mag, ist, dass ich bei jedem Post sehe, wer diesen geteilt hat. Das führt zu elend langen Listen und mein Zeigefinger ist deshalb schon wund vom Scrollen. Zugegeben, ich habe die Möglichkeit, nur die Posts meiner Freunde etc. anzuschauen. Aber ein etwas übersichtlicher und weniger langer Stream würde nicht schaden.

Google plus bietet auch die Möglichkeit, sich Allerts zu einem Suchbegriff anzuzeigen, genannt „Sparks“. Leider werden diese nicht in den Stream integriert und müssen einzeln angeschaut werden. Auch hier sehe ich noch Verbesserungspotential.

Privatsphäre
Bei facebook ein leidiges Thema. Die Frage ist nur, ob Google plus diesbezüglich besser ist. Ich wage zu sagen ja. Im Profil kann gezielt eingestellt werden, wer welche Elemente sehen kann, was öffentlich ist und was nicht. Doch als ich mein Profil eingerichtet habe, musste ich lange suchen, bis ich die Suchmaschinen-Indexierung abschalten konnte. Und als ich für diesen Post herausfinden wollte, wo das war, konnte ich gar nichts mehr finden.

Die meisten Einstellungen können über „Google + Einstellungen“ beim Zahnrädchen ganz oben rechts verändert werden. Die Einstellungen müssen dann sozusagen als „Overlay“ im Profil selber vorgenommen werden. Das macht die Sache ziemlich unübersichtlich und kompliziert. Ich hätte lieber eine klare Liste wo ich auswählen kann, was öffentlich ist und was nicht. Auch hier sollte Google noch nachbessern.

Fazit
Konkurrenz blebt den Markt. Ich hoffe, dass dies auch in diesem Fall geschehen wird. Und auch wenn ich noch Zweifel habe, dass Google plus je eine wirkliche Konkurrenz für facebook werden wird, bin ich der Überzeugung, dass wir bald das eine oder andere gute Feature von Google+ auf facebook finden werden.

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